musik

Do you feel the same?

Für die Dauer eines Theaterabends kommen acht Hausbewohner wie in einem Reigen zusammen. Ein kurzer Blick auf die Klingelschilder genügt, um zu wissen, dass es sich um eine ganz normale Hausgemeinschaft handelt, wie sie in jeder Straße dieser Stadt zu finden ist. Es sind Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Sozialisierung und Weltanschauung. Menschen, deren Heimat am Rhein liegt oder auch tausende Kilometer entfernt. Sie sind hier zuhause und wohnen Wand an Wand, begegnen sich beim alltäglichen Gang zum Briefkasten oder im Fahrradkeller. Doch dieser Abend ist alles andere als normal. Die Nachbarn sprechen über Liebe, Sexualität und sich verändernde Geschlechterrollen. Es fängt mit einem kleinen Missverständnis an, geht mit großer Selbstverständlichkeit weiter und dreht sich am Ende um eine der ältesten Fragen der Welt. Ob sich die bisher nur flüchtig miteinander bekannten Nachbarn am nächsten Morgen noch in die Augen schauen können, wissen sie nicht. In dieser einen Nacht aber geht es nur darum, mit nackter Seele tanzen zu dürfen, um herauszufinden: Do you feel the same?

Regie: projekt.il, Ausstattung: Stefanie Dellmann
Choreografie: Phaedra Pisimisi, Musik: Johan Leenders
Dramaturgie: Jascha Sommer
Premiere im Jungen Schauspielhaus Düsseldorf am 23. Oktober 2017 

Das musikalische Konzept dreht sich um die Etablierung einer allzeit präsenten Party in der und um die herum sich die Beteiligten bewegen, sowohl örtlich als auch zeitlich. Die dafür verwendeten Atmos und Raumsimulationen sind hier schwer abzubilden. Was ich im unten stehenden Zusammenschnitt aber zeigen kann, sind Ausschnitte aus den 6 Songs, die ich für die Produktion geschrieben und eingespielt und -gesungen habe, und die sich jeder mit einer anderen Sicht auf und Aussage zum zentralen Satz "Do you feel the same?" befassen.

Do you feel the same? Collage



Garten Eden

"Man kann nur eins: Entweder zu Hause sein oder im Paradies. Beides geht nicht und ist noch keinem Menschen gelungen. Wenn du einmal drin bist, kommst du so bald nicht wieder heraus." So bekommt es der Junge Hans zu hören, als er auf der Suche nach seinem Paradiesvogel mit einem selbst gebastelten Drachen bis ins Paradies geflogen ist.

"Ich wünschte, das Glück wäre ein Gegenstand, den ich irgendwo gefunden und mit nach Hause genommen hätte."

Das Künstlerkollektiv projekt.il begibt sich gemeinsam mit Düsseldorfer Bürgern und Noch-nicht-Bürgern, mit Geflüchteten und bereits Angekommenen auf die Suche nach den persönlichen Paradiesen und Sehnsuchtsorten der Menschen. Ist das Leben woanders besser? Wo bin ich zuhause? Was macht mich glücklich? Auf der Bühne erzählen sie über Orte, an denen sie waren und die nun zerstört sind, über unerreichbare Sehnsuchtsorte und Orte, die ihnen fehlen werden.

Die Inszenierung Garten Eden war 2015/2016 Teil eines integrativen künstlerischen Großprojektes des Jungen Schauspielhauses in Zusammenarbeit mit unter Anderem der PBSA - Hochschule Düsseldorf und dem zakk e.V. und gewann 2016 den Integrationspreis der Stadt Düsseldorf.

Regie: projekt.il, Ausstattung: Stefanie Dellmann
Choreografie: Phaedra Pisimisi, Musik: Johan Leenders
Chorleitung: Barbara Beckmann, Mitra Zarif-Kayvan
Illustration: Max Fiedler, Dramaturgie: Dorle Trachternach
Premiere im Jungen Schauspielhaus Düsseldorf am 21. Mai 2016 

Bei der Musik zu diesem Großprojekt drehte sich Vieles um die 24 beteiligten Chorsänger und 23 darstellerisch Beteiligten. Daher ist auch ein Großteil der Musik hier nicht abbildbar. Es wurde in 3 Sprachen gesungen, gejodelt, getanzt und geschrien. Im folgenden Zusammenschnitt findet man alles Übrige. Beats, Melodien, Flächen und Atmos rund um zwei musikalische Themen, die Hans und den Paradiesvogel symbolisieren und zu denen getanzt und gespielt und von Max Fiedler bezaubernd live illustriert wurde.

Garten Eden Collage



Kreise/Visionen

Eine Reise durch die Zeiten, ein Spiel - und die Frage, woran wir überhaupt noch glauben wollen und sollen: Das ist Joël Pommerats Stück Kreise/Visionen. Pommerat hat acht Geschichten aus dem 14., dem 20. und dem 21. Jahrhundert in ihrer Chronologie durcheinander gewirbelt. Es sind allesamt Krisenzeitpunkte.

Ein Adliger versucht kurz vor dem Zusammenbruch der aristokratischen Gesellschaft, seinen Diener zu verführen. Ein Ritter muss seine Glaubensgrundsätze brechen, um den Tötungsbefehl seines Bischofs zu vollstrecken. Zur Zeit des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs zieht ein Diener freiwillig in den Krieg. Er, der immer gern gehorchte, wird aber auf dem Schlachtfeld schließlich den Befehl verweigern. Ein namenloser Manager erhält inmitten der Finanzkrise die Gelegenheit, seine Vorgesetzten sterben zu lassen, muss sich dafür allerdings mit zwei Obdachlosen einlassen. Und der Schrei eines Kleinkindes, das Anfang des Jahrhunderts stirbt, ist noch Jahrzehnte später zu hören. Durch alle Zeiten zieht sich zugleich die Frage, wen es an den Rand des Kreises verschlagen hat - und ob man sich gerade in der Realität oder in einer anderen, magischen Welt befindet.

Regie: Hans-Ulrich Becker, Bühne: Alexander Müller-Elmau
Kostüme: Stefanie Seitz, Musik: Johan Leenders
Dramaturgie: Armin Breidenbach
Premiere im Düsseldorfer Schauspielhaus am 07. Februar 2015 

Das musikalische und akustische Konzept, dass sich um ein zentrales "Kreise"-Thema, verschiedene Versionen von Metallicas "King Nothing" und breit angelegte Soundgestaltung dreht, war so komplex, dass es mir sehr schwer gefallen ist, einen Zusammenschnitt zu erstellen, der die Tonebene des Stückes adäquat widerspiegelt. Der folgende tut dies auch nicht, gibt aber immerhin einen kleinen Überblick über die reine inhaltliche Bandbreite der Musik- und Soundgestaltung (und beinhaltet einen Ausschnitt vom großartigen "Rey Nada" meines Freundes und Kollegen Johannes von Barsewisch).

Kreise/Visionen Collage



Supergute Tage

Es ist sieben Minuten nach Mitternacht. Wellington, der Nachbarshund, liegt tot auf dem Rasen, mit einer Mistgabel erstochen. Christopher beschließt, den Täter auf eigene Faust zu finden, was kein leichtes Unterfangen ist. Denn Christopher, 15 Jahre, drei Monate und zwei Tage alt, weiß beinahe alles über Mathematik, liebt Primzahlen und die Farben Rot und Metallic. Er hasst Gelb und Braun und angefasst zu werden. Er weiß wenig über andere Menschen, im Umgang mit ihnen gerät er schnell in Panik. Aber er weiß: Ein Tag, der damit beginnt, dass er fünf rote Autos hintereinander stehen sieht, ist ein guter Tag. Ein Tag für Projekte. Und so verlässt er im Auftrag der Wahrheit mutig seine kleine Welt und entdeckt eine neue, fremd und bedrohlich, in der der Mord an Wellington lediglich das erste einer ganzen Reihe von Mysterien ist. 

Mark Haddon wurde für seinen Roman The Curious Incident of the Dog in the Night-Time – so der Originaltitel – mehrfach ausgezeichnet. Ein Kultbuch in Großbritannien, wurde es nun von dem englischen Dramatiker Simon Stephens für die Bühne eingerichtet.

Regie: Wera Mahne, Bühne und Kostüm: Anna Siegrot
Musik: Johan Leenders, Dramaturgie: Barbara Kantel
Premiere im Jungen Schauspielhaus Düsseldorf am 10. Januar 2014 

Mit meiner Musik versuche ich die Grenze zwischen filmischer Untermalung und bespielbarer Musik auszuloten, formale Aspekte ebenso mit einzubeziehen wie empathische Bestätigung und ironische Konterkarierung der Spielszene. Ein besonderes Zentrum liegt dabei darauf, dass der Zuschauer durch die Musik dabei unterstützt wird, mit einer Hauptfigur mitzuempfinden, die selbst nur schwer Gefühle zeigen kann. Die folgende Collage führt in einem 4-minütigen Schnelldurchlauf durch die musikalische Bandbreite des Stückes.

Supergute Tage Collage




Die Zofen

Wenn die gnädige Frau außer Haus ist, beginnt die Zeremonie der Zofen Solange und Claire: Sie plündern den Kleiderschrank ihrer Herrin und Proben die Umkehrung der Verhältnisse. Eine übernimmt die Rolle der gnädigen Frau, die im Spiel getötet werden soll als Abbild und Vorbereitung einer sorgsam geplanten Intrige gegen die verhasste und geliebte Herrin. Als die gnädige Frau wirklich erscheint, droht ihr Komplott aufzufliegen und alles zusammenzubrechen.

Was ist Spiel, was ist Wirklichkeit? "Die Zofen" ist auch rund 55 Jahre nach der Uraufführung ein fulminantes Spiel mit den Tücken der Selbsinszenierung, das weder an Brisanz noch an Komik eingebüßt hat.

Regie: Nele Weber, Bühne: Anna Bergemann, Kostüme: Vera Nabbefeld
Video: Stephan Komitsch, Musik: Johan Leenders
Dramaturgie: Juliane Hendes, Katrin Michaels
Premiere im Düsseldorfer Schauspielhaus am 8. November 2013

Mein musikalisches Konzept für "Die Zofen" kreist um ein zentrales Thema, das sowohl die Zofen als auch die gnädige Frau charakterisieren kann und in verschiedenen Formen und Stimmungen auftritt. Dies unterstützt das Thema der sich verändernden Machtverhältnisse und Beziehungen im Stück. In der folgenden Collage finden sich 5 Varianten dieses Themas.

Die Zofen Collage